Samstag, 24. September 2016

BluRay-Review: The Jungle Book (2016)



„Kleiner, das ist kein Lied. Das ist Propaganda.“
Balu scheint für das Gesetzt des Dschungels nicht viel übrig zu haben.

©Disney

Vorwort
Wie vermutlich viele Filmfans war ich sehr skeptisch als Disney vor einiger Zeit ankündigte mehrere seiner Zeichentrick-Klassiker als Realverfilmungen neu ins Kino zu bringen. Einerseits weil ich langsam aber sicher (wie vermutlich ebenfalls sehr viele Filmfans) von Hollywoods aktueller, scheinbar niemals enden wollender, Schwemme an Sequels, Reboots und Remakes angeödet bin, andererseits, weil ich mir schwer vorstellen konnte wie man die besondere Wärme und Magie die diesen Filmen innewohnt auf einen Blockbuster moderner Machart übertragen will.
Im Falle von Das Dschungelbuch (1967) war ich besonders gespannt, so handelt es sich dabei doch um einen meiner absoluten Lieblingsfilme aus meiner Kindheit, einen Vertreter jener Sorte Film den ich mir vermutlich noch im hohen Alter zigmal anschauen und genießen werde.
Doch als dann die ersten Trailer veröffentlicht wurden, erwachte aufgrund der Imposanz des dort gezeigten doch ein gewisses Interesse an dem Streifen in mir und als ganz am Ende sogar ein paar Töne aus probier’s mal mit Gemütlichkeit zu hören waren wuchs in mir die Hoffnung das man dem Klassiker den nötigen Respekt entgegen bringt.
Mit einer Mischung aus Vorfreude und verbliebener Rest-Skepsis kaufte ich mir also eine Kinokarte und harrte der Dinge die da kamen.


Der Film
Wie man durch die Tatsache das wir hier die Blu-ray-Veröffentlichung besprechen unschwer erahnen kann, hat mir der Film alles andere als missfallen.
Im Kino hatte mich das bildgewaltige Drama welches uns Regisseur Jon Fauvre (Iron Man (2008)) tatsächlich allein schon durch seine optischen Reize recht schnell in seinen Bann gezogen, doch auch die (offenbar von Hans Zimmer inspirierte) Filmmusik von John Debney mit ihren teils markerschütternden Bässen hatte mich überwältigt. The Jungle Book war sogar der erste Film in längerer Zeit bei dem ich bis zum Ende des Abspanns (und damit meine ich bis zu den Schrifttafeln mit den Namen der Synchronsprecher) sitzen blieb, einzig um den Soundtrack zu genießen.

Doch erst einmal zur Geschichte: Anders als im Zeichentrickfilm, wo wir Mogli erstmals als Findelkind begegnen, ist er hier bei seinem ersten Auftritt bereits ein gut gewachsenes “Menschenjunges“ (dargestellt von dem bezaubernden Neel Sethi, in seinem ersten Auftritt in einem Spielfilm) welches versucht sich den Respekt des Wolfsrudels, welches ihn einst aufgenommen hat, zu erwerben und endlich ein vollwertiges Mitglied des selbigen zu werden.
Was sich trotz des guten Zuredens von Moglis neuer Mutter Raksha (OT: Lupita Nyong'o/ D: Heike Makatsch) als problematisch erweist, da er einerseits Probleme hat die dafür notwendigen Prüfungen zu bestehen und andererseits der Chef des Rudels, Akela (OT: Giancarlo Esposito/ D: Justus von Dohnányi) kein großer Freund der „Tricks“ ist mit denen sich Mogli oft behilft. Diese, so Akila, seien nicht mit dem Gesetzt des Dschungels vereinbar (Welches Mogli übrigens, wie ein richtiger Wolf, auswendig herunterbeten kann).
Dies ändert sich alles schlagartig als während einer Dürreperiode plötzlich der Tiger Shir Khan (OT: Idris Elba/ D: Ben Becker) in den Dschungel zurückkehrt und von Moglis Präsenz alles andere als begeistert ist. In einer aufflammenden Rede die Dschungelbewohner an die Gefahren erinnert die von Menschen ausgehen können und sie auffordert ihm das Menschenjunges bis zur nächsten Regenzeit auszuhändigen. Dies führt, nach längeren Diskussion innerhalb des Wolfsrudels und gegen Rakshas Widerstand, dazu das sich der Panther Baghira (OT: Ben Kingsley/ D: JoachimKról) bereit erklärt den Jungen rechtzeig ins nahegelegene Menschendorf zu bringen, da er es war der Mogli einst zu den Wölfen brachte.
Dem Menschenkind missfällt diese Destination jedoch, und auch Khan bekommt alsbald von dem Fluchtversuch Wind, weshalb Baghira und Mogli schon früh auf ihrer Reise unfreiwillig voneinander getrennt werden.
Auf sich allein gestellt trifft Mogli so u.a. auf die verführerische Schlange Kaa(OT: Scarlett Johansson/ D: Jessica Schwarz), den treuherzigen, aber doch sehr faulen, Brillenbär Balu (OT: Bill Murray/ D: Armin Rhode) und den Angsteinflößenden Affenkönig Loui (OT: Christopher Walken/ D: Christian Berkel).
Die Charaktere haben fast alle noch die gleichen Charakterzüge wie 1967, einzig die Elefantenherde wurde grundlegend überarbeitet. Aus der tapsigen Millitärparodie wurde so etwas wie die “Schutzheiligen des Dschungels“.

Eigentlich ist es eher unangebracht hier von einer Realverfilmung zu sprechen, wenn man bedenkt das bis auf Sethi und einige wenige Requisiten so gut wie alles (jedes Tier, jede Pflanze, sogar das Wasser in den Flüssen) was man auf dem Bildschirm sieht aus dem Computer kommt. Dies ohne vorherige Information zu bemerken ist jedoch nahezu unmöglich, so Realistisch sind all die Animationen. Ich selbst nahm ursprünglich an das nur die Münder der Tiere animiert sind, und war sprichwörtlich baff als ich von dem tatsächlichen Ausmaß der CGI-Verwendung erfuhr.

Auch die Bewertung der, ohnehin schon Beeindruckenden, schauspielerischen Leistung von Neel Sethi erhält nochmal eine deutliche Aufwertung, wenn man bedenkt, dass er sich einzig an kleineren Requisiten und Puppen orientieren konnte und sonst keine Ahnung hatte wie die fertige Szene aussehen würde. Es ist ihm wirklich zu wünschen das ihm das Schicksal vieler anderer Kinderstars erspart bleibt und wir uns noch lange an ihn erfreuen können!
Aber auch die Synchronsprecher leisten, sowohl im Originalton wie im Deutschen, hervorragende Arbeit! Im Englischen ist der Film mit Sprechern wie Bill Murray (Er als Balu ist mMn. eine der besten Casting-Entscheidungen der letzten Jahre), Scarlett Johansson, Idris Elba, Ben Kingsley und (leider in seinem letzten Auftritt in einem Spielfilm) Gary Shandling bis in die letzte Nebenrolle prominent und perfekt besetzt.  
In der deutschen Fassung ist es vor allem Armin Rohde als Balu, der nicht nur ein angemessener Nachfolger von Edgar Ott ist, welcher heraussticht und der Figur seine ganz eigene Note aufdrückt.
Die restliche deutsche Besetzung (u.a.: Ben Becker, Jessica Schwarz, Heike Makatsch) leistet zwar auch alles andere als schlechte Arbeit, im Großen und Ganzen empfand ich den englischsprachigen Cast jedoch als ein Fitzelchen stimmiger.  

Regisseur Jon Favreau versucht Elemente des Zeichentrickfilms im Modernen Gewand zu präsentieren und sich gleichzeitig der Buchvorlage von Rudyard Kipling stärker anzunähern als das bei seinen Disneys-Vorgängern der Fall war.
So werden einerseits die klassischen Charaktere und Lieder in zeitgemäßen Look präsentiert und immer wieder kleine Anspielungen auf das Vorbild eingestreut, andererseits kommt seine Verfilmung sowohl optisch als auch inhaltlich deutlich düsterer daher. Ich persönlich halte die deutsche FSK6-Freigabe daher auch für eine Etage zu tief gegriffen und hätte eine Freigabe ab 12 Jahren für passender empfunden. Wer die Abenteuer von Mogli & co. mit jüngeren Kindern erleben will sollte daher also besser zur Zeichentrick-Version* greifen.
Der Rest bekommt mit The Jungle Book einen insbesondere in technischer Hinsicht beeindruckenden Blockbuster serviert, von dem man sich Inhaltlich jedoch auch Blenden bzw. dazu überreden lassen muss nicht alles allzu genau zu betrachten, um sich völlig in seinen Bann ziehen lassen zu können.
Eben doch irgendwie ein typischer Disneyfilm.

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Blu-Ray & Extras
Was Bild- und Tonqualität betrifft, so gibt die vorliegende Blu-Ray keinerlei Grund zum Meckern. Das Bild ist lupenrein, der deutsche DTS-HD HR 5.1-Sound und der englische DTS-HD MA 7.1-Sound sind glasklar und genau das richtige für einen solchen imponierenden Soundtrack. Eben genau das was man von einem modernen Hollywood-Blockbuster im Jahr 2016 erwarten kann.

Das Bonusmaterial besteht aus einem rund 30-minütigen Making-Of, einer filmischen Vorstellung des Hauptdarstellers Neel Sethi unter dem Titel Ich bin Mogli, einem kurzen Bericht über die Entstehung der Szenen in King Louies Tempel sowie einem Audiokommentar von Regisseur Jon Favreau. Der Audiokommentar hält durchaus einige Interessante Informationen bereit (u.a. das Favreau der Verwendung von CGI ursprünglich ablehnend gegenüber stand), teilweise scheint er aber einfach nur zu erzählen was gerade auf dem Bildschirm zu sehen ist.  Die drei Filmberichte sind durchaus interessant und illustrieren sehr schön wie schwer es für Sethi gewesen sein muss nahezu den kompletten Film vor Bluescreen und nur mit der Hilfe von Puppen zu drehen, allerdings frage ich mich ob es nicht möglich gewesen wäre alle drei Bonus-Videos in einer großen Making-of-Dokumentation zusammen zu fassen und ob Disney hier einfach versucht das Bonusmaterial durch die Aufteilung größer wirken zu lassen als es wirklich ist.
Alles in allem dennoch eine überzeugende Sonderausstattung!

Gesamtbewertung
Film
++++(Gut)
Bild- & Tonqualität
+++++ (Sehr Gut)
Bonusmaterial
++++ (Gut)

Technische Daten & Informationen
Titel:
     -          The Jungle Book
Erscheinungsjahr:
     -          2016
Altersfreigabe:
     -          FSK6
Bildformat:
     -          1,85:1 (1080p/16:9)
Sprachen:
     -          Englisch (DTS-HD MA 7.1)
     -          Deutsch (DTS-HD HR 5.1)
     -          Italienisch (DTS Digital Surround 5.1)
     -          Griechisch (Dolby Digital 5.1)
     -          Rumänisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
     -          Deutsch
     -          Englisch für Hörgeschädigte
     -          Italienisch
     -          Griechisch
     -          Rumänisch
     -          Arabisch
Extras:
     -          Making-of
     -          Ich bin Mogli
     -          King Louis Tempel
     -          Audiokommentar des Regisseur
Publisher:
     -          Walt Disney Home Entertainment
Links:
     -          IMDb
     -          OFDb
     -          Deutsche Synchronkartei
Kaufmöglichkeit:
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 Trailer

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