Samstag, 10. September 2016

DVD-Review: Der Supercop (1980)



„…das ist Trinkgeld für‘n Klempner…“
„Supercop“ Dave Speed bei der Entsorgung von Falschgeld mittels Sanitärtechnik

„Hauptdarstellerin bis zum letzten Akt, und jetzt den Vorhang!“
Die letzten Worte von Rosy La Bouche. Für Darstellerin Joanne Dru sollte es tatsächlich der letzte Auftritt in einem Spielfilm werden.


©3L Homevideo / Renato Casaro


Vorwort

Mit dem Film Der Supercop ist das so eine Sache für mich: als junges Kind war ich eine Zeit lang richtig vernarrt in diesen Streifen, bis ich ihn dann plötzlich völlig aus dem Gedächtnis verloren hatte. 
Es muss in den frühen 2000ern gewesen sein als RTL2 den Film häufiger am Wochenende im Tagesprogramm zeigte und er sich dank seiner eingängigen Titelmusik und Cartoon-haften Humor wohl zu meinem allerersten Lieblingsfilm mauserte, noch bevor ich von „Star Wars“ oder einem „James Bond“ überhaupt je gehört hatte. Das ist insofern erstaunlich als das die anderen Spencer/Hill-Filme damals nie wirklich mein Interesse wecken konnten. Ich glaube sogar, dass als ich in jenem alter, irgendwann beim Durchzappen, den Film "zwei Missionare“ entdeckte mein erster Gedanke war: „Das ist doch der Typ aus der Supercop?!“
Doch irgendwann verschwand der Film dann aus dem TV und so auch aus meinem Gedächtnis. Ab und zu flackerten zwar in meinem Kopf Erinnerungen an riesige Kaugummiblasen auf, im Großen und Ganzen geriet der Film aber in Vergessenheit. Bis ich vor einiger Zeit zufällig darauf aufmerksam wurde, dass es sich in den USA mit den Ausstrahlungen auf dem Pay-TV-Sender HBO ähnlich zugetragen hatte. Dieser zeigte den Film in den frühen 1980ern derart häufig, dass es vielen, die damals schon in den USA Pay-TV hatten, ähnlich erging wie etwas später mir. Eine erneute Ausstrahlung bei Tele5 gab dann den Finalen Ausschlag mir aus purer Nostalgie die DVD des Filmes zu besorgen, welche mir noch dazu äußerst preisgünstig in der Filiale eines großen Elektronikhändlers in die Hände fiel.
Der geneigte Leser mag es mir daher verzeihen, wenn meine Kritik von einem nicht allzu neutralen Standpunkt erfolgt, sondern durchaus mit einer gewissen nostalgischen Färbung.


Der Film

Aber beginnen wir doch am Anfang: Nachdem uns im Vorspann zu schmissigen Discotönen (welche uns noch den ganzen Film hindurch begleiten werden) und grell-gefärbten Filmszenen die Hauptdarsteller vorgestellt wurden, lernen wir den (ex-) policeman Dave Speed (Terence Hill, mal ohne Bud Spencer) kennen, welcher frohmutig bei einer Bohnenmahlzeit seine inzwischen vierte Hinrichtung erwartet (die ersten drei zu überleben war für ihn scheinbar ein Kinderspiel, wie uns vorher ein Fernsehreporter erläuterte) und sich frohen Mutes schon einmal Abendessen bestellt als der Gefängnisdirektor und Seelsorger ihn abholen wollen. Und als er sich so auf seinem (scheinbar) letzten Gang befindet erinnert er sich an jene Geschichte die ihn in diese missliche Lage gebracht hat: Wie er als frischgebackener Polizeischulabsolvent von seinem vorgesetzten Sgt. Willy Dunlop (Ernest Borgnine) ausgesandt wurde einen Strafzettel in ein kleines Indianerdorf zu bringen, welches just in jenem Moment Schauplatz eines geheimen militärischen Raketentests werden soll (die genaueren Hintergründe dieses Experiments werden zwar im Film erläutert, dürften einer halbwegs wissenschaftlichen Begutachtung jedoch kaum standhalten können), wie er infolge eben jener Explosion Superkräfte erhielt (welche aber dummerweise nur funktionieren wenn sich nichts Rotes in seinem Blickfeld befindet), er diese nutzt um mit seinem Partner Dunlop einige Kleinkriminelle dingfest zu machen und er anschließend auch noch einer Bande Geldfälscher auf die Schliche kommt. Jene vom Narbengesicht „Torpedo“ (Marc Lawrence) angeführte Truppe ist es dann aber auch die Dave den (vermeintlichen) Mord an seinem Partner anhängt und Ihn so auf den elektrischen Stuhl bringt.
Und natürlich würde uns nicht gleich relativ früh im Film Dunlops Schwärmereien für die alternde Filmdiva Rosy La Bouche erklärt werden, wenn besagte Dame nicht ebenfalls einen wichtigen Part in diesem Syndikat einnehmen würde.
Da eine damsel in distress auch nicht fehlen darf wird diese Aufgabe von Dunlops Nichte Evelyn (Juli Gordon) übernommen, ihre Beziehung zu Dave wird im Film aber nicht wirklich tiefschürfend erforscht und ist auch nur insofern von Belang, dass eben ein Charakter notwendig war für den Dave tiefergehende Gefühle hegt.
Ich denke es wird nicht zu viel verraten, wenn ich verrate, dass man davon ausgehen kann das Speed freilich nicht sein Ende im Todestrakt finden wird. 
Und was Sgt. Dunlop betrifft… ach das muss man selber sehen um es glauben zu können.

Regisseur und Autor Sergio Corbucci (welcher in den 1960er-Jahren durch einige Spagetti-Western, u.a. Django, zu Ruhm gekommen ist) liefert mit Der Supercop eine Actionkomödie ab welche sich nahtlos in die bekannte Spencer-Hill-Reihe einfügt, auch wenn diesmal nur ein Teil des berühmten Duos beteiligt ist. Dies ist aus Corbuccis Sicht nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass er sich vorher schon für Zwei sind nicht zu Bremsen verantwortlich gezeichnet hat, was Hill betrifft schon eher, schließlich hatte dieser in seinen Solo-Filmen häufig versucht eine andere Stilrichtung als in seinen Kooperationen mit Spencer einzuschlagen.
Oscargewinner Ernest Borgnine (Bester Schauspieler 1956 für Marty) sollte wohl als Lockmittel fürs US-Publikum dienen, wenngleich er zu der Zeit ein Karrieretief durchlief.
Die eher dünne Handlung dient nur als Hintergrund für den üblichen Mix aus Prügel-Slapstick, Klamauk und flotten Sprüchen. Letztere wurden vor allem durch die deutsche Synchronisation hinzugefügt die sich, wie immer bei solchen Filmen, sehr viele Freiheiten nimmt. Daran ändert auch nichts, dass diesmal Heinz Petruo und nicht Rainer Brand die Dialogregie innehatte.
Der gesamte Film hat einen Cartoon- und Comic-haften Charakter (Wozu nicht nur die Tatsache das es um einen “Superhelden“ geht, sondern auch Rollennamen wie “Torpedo“, “Paradise“ oder “Slot Machine“ beitragen) und ist, v.a. in den letzten 15 Minuten, schlichtweg herrlich bescheuert.
Die Spezialeffekte wirken billig konstruiert und in einigen Szenen wirkt es als wolle Borgnine dem Publikum mit seinem schelmischen Grinsen sagen: „Wir wissen, dass das hier nicht das Gelbe vom Ei ist, aber wir haben uns Mühe gegeben also nehmt das alles bitte nicht so Bierernst.“. Ohnehin wirken die Charaktere eher wie Karikaturen, einzig Joanne Dru legt eine überraschende Ernsthaftigkeit an den Tag. 
Zusätzlich strotzt der Film vor Logikfehlern, so gibt es mehrere Szenen in denen Daves' Superkräfte eben doch funktionieren als sich etwas Rotes in seinem Blickfeld befindet (scheinbar nur nicht in dem des Regisseurs).
Und trotz allem ist da dieser kindlich-naive Charme der all dem innewohnt und einem über all die Mängel hinwegblicken lässt, wenn man nur bereit ist diesen Film durch Kinderaugen zu betrachten. Wer dazu bereit ist und für solche Filme eine weiche Stelle in seinem Herzen hat wird mit Der Supercop große Freude haben.

DVD & Extras

Die DVD wirbt stolz mit dem „HD-Remastertem Bild“ welches hier erstmals vorliegt, und in der Tat liefert die DVD wohl die beste Bildqualität ab welche man von einem Film dieses Alters auf diesem Format erwarten kann (erst recht, wenn man bedenkt, dass wir es hier nicht gerade mit einer High-Budget-Produktion zu tun haben). Einzig in Szenen die für Spezialeffekte verlangsamt wurden lässt sich ein leichtes Bildrauschen ausmachen, ansonsten überzeugt das Bild aber durch satte Farben, gut erkennbaren Details und überzeugenden Kontrasten. In einigen Szenen ist die gute Bildqualität sogar eher zum Nachteil des Films: So wirkt ein fliegender Kaffeebecher weniger beeindruckend wenn man den daran befestigten Faden bei näherer Betrachtung leicht erkennen kann, genauso wie eine vermeintliche fliegende Kaugummiblase ihrer Besonderheit beraubt wird wenn deutlich Schweißnähte und Sicherungstaue erkennbar sind.
Der deutsche Dolby Digital 2.0-Ton ist klar verständlich, jedoch nichts Besonderes. Die HiFi-Anlage würde ich jedenfalls nicht dafür bemühen.
Was die italienische Tonspur betrifft, so kann ich diese mangels Sprachkenntnisse nicht wirklich beurteilen. Beim Reinhören machte sie jedoch auch einen soliden Eindruck, auch wenn sie mir an einigen Stellen ganz leicht verrauscht vorkam.   Abschließend zur ital. Tonspur noch folgendes: Auf dem Cover wird diese als “Originalton“ angepriesen was nicht ganz korrekt ist. Zwar handelt es sich hier um eine Italienische Produktion, jedoch wurden der Film (genauso wie die meisten Spencer/Hill-Filme) zwecks der internationalen Vermarktung auf Englisch gedreht. Dies macht auch Sinn, wenn man bedenkt, dass bis auf Hill fasst nur amerikanische Schauspieler beteiligt sind und der Film sogar in den USA gedreht wurde. Vor der Erstveröffentlichung in Italien wurde der Film dann nochmal komplett auf Italienisch Synchronisiert, weshalb wir es hier nicht mit dem Originalton (im Sinne der Sprache in der der Film gedreht wurde), sondern eigentlich nur einer weiteren Synchronfassung zu tun haben.
Deutsche Untertitel gibt es nur für die ital. Synchro, da aber sogar zwangsweise (d.h. sie lässt sich nicht abschalten). Dementsprechend handelt es sich dabei um eine Übersetzung der ital. Tonspur, wodurch übrigens deutlich wird wie viel in der dt. Synchronisierung hinzugedichtet wurde.
Was das Bonusmaterial betrifft, so präsentiert uns die DVD jeweils den deutschen und italienischen Kinotrailer sowie eine Diashow bestehend aus diversen Kinoplakaten und Aushangbildern. Gerade bei den Plakaten ist auffällig, dass viele Hill über der Skyline von New York City zeigen obwohl der Film in Miami spielt und gedreht wurde. Abschließend gibt es löblicherweise noch ein Wendecover ohne FSK-Logo
Im Großen und Ganzen präsentiert uns die Extras-Sektion damit also nur Standardkost.

Gesamtbewertung

Film:
++++ (Gut)
Bild- & Tonqualität:
+++++ (Sehr Gut)
Bonusmaterial:
+++ (Durchschnittlich)


Technische Daten & Informationen

Titel:
      -          Der Supercop (DE)
      -          Poliziotto superpiù (OT)
Erscheinungsjahr:
      -          1980 (Film)
      -          2014 (DVD)
Altersfreigabe:
      -          FSK 6
Bildformat:
      -          1.85:1 (Widescreen/anamorph)
Sprachen:
      -          Deutsch (Dolby Digital 2.0)
      -          Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:
      -         Deutsch
            (Nur bei ital. Tonspur /
             nicht ausblendbar)
Extras:
      -          Deutscher Kinotrailer
      -          Italienischer Kinotrailer
      -          Diashow mit Promotionmaterial
      -          Wendecover ohne FSK-Logo
Publisher:
      -          3L Homevideo
Links:
      -          IMDb
      -          OFDb
      -          Deutsche Synchronkartei
Kaufmöglichkeit: 
      -          Amazon (affiliate Link)
     
Alternative: Blu-Ray mit mehr Bonusmaterial und besserer Bildqualität:

       -          Amazon (affiliate Link)


Trailer






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