Sonntag, 20. November 2016

DVD-Review: Mickys großes Weihnachtsfest - Eingeschneit im Haus der Maus (2001)



„Ach, Humbug!“
Donald Duck ist nur schwerlich in Weihnachtsstimmung zu versetzen



©Disney    


Einleitung
Wer seine Kindheit in den späten 1990er und frühen 2000er-Jahren verlebt hat, und über ein gewisses Grundinteresse an Filmen verfügt, ist vermutlich Opfer einer damals weitverbreiteten, aber sehr ablehnenswerten, Geschäftspraktik der Disney-Studios geworden: Mit kostengünstig Produzierten Direct-to-DVD Sequels (entsprechend abfällig von Kritikern auch als cheapquels bezeichnet) und Compilation-Filmen sollte die Naivität und Unwissenheit der jungen Kundschaft ausgenutzt werden und gleichzeitig einige Flops an der Kinokasse kompensiert werden.
In die Gruppe jener Machwerke fällt unser heutiges Review-Objekt – Ja, auch ich bin damals auf die PR des Maus-Konzern hereingefallen und habe mir diesen weihnachtlichen Compilation-Film Mickys großes Weihnachtsfest - Eingeschneit im Haus der Maus gekauft.

Aus Anlass der beginnenden Adventszeit wollen wir heute überprüfen ob zumindest dieser Vertreter so schlecht wie sein Ruf ist oder ob er uns positiv überraschen wird!




Der Hauptfilm
Beim vorliegenden Hauptfilm handelt sich wie bereits um einen sog. Compilation-Film, d.h. dass mehrere (meist thematisch ähnliche) einzelne Segmente durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten werden, eine einzelne durchgehende Handlung wie in normalen Spielfilmen gibt es so nicht.
Anstelle einer einzelnen Kritik sollen im weiteren stattdessen die einzelnen Segmente betrachtet werden.

Rahmenhandlung
Hier tritt schon der erste deutliche Kontrast zum DVD-Cover zu Tage: Anders als selbiges vermuten lässt, spielt die Rahmenhandlung nicht in Micky Maus‘ Privathaus ab, nein, viel mehr haben wir es mit einer überlangen Episode der Fernsehserie Mickys Clubhaus zu tun.
Jene Zeichentrickserie handelte davon, dass Micky Maus samt üblicher Begleiter (Donald Duck, Minnie Maus, Goofy, Daisy Duck, usw.) einen Nachtclub betreiben, welcher hauptsächlich Disney-Cartoons (zum Großteil übernahmen aus früheren Disney-Sendungen, insbesondere Neue Micky Maus Geschichten) vorführt und von diversen Disney-Zeichentrick-Stars frequentiert wird.
Freilich haben selbige nur selten ihre Originalstimmen (entweder, weil diese bereits verstorben oder schlichtweg zu Teuer waren), sondern werden (mit unterschiedlichen Erfolg) von neuen Sprechern nur imitiert.

Die konkrete Rahmenhandlung in dieser Spielfilmfassung ist schnell erklärt: Weil das Clubgebäude nach der Show an Heiligabend meterhoch eingeschneit ist, beschließen Micky und Gäste das Weihnachtsfest einfach im Clubhaus zu feiern. Doch Donald ist unerklärlicherweise überhaupt nicht in der notwendigen Weihnachtsstimmung, worauf Micky beschließt ihn mit einigen festlichen Kurzfilmen aufzumuntern.
Aufgelockert wird das Ganze zusätzlich durch einen Bühnenauftritt von Professor Quack (welcher einige Geheimnisse über den Weihnachtsmann erklärt) und einigen „Straßenumfragen“ mit bekannten Disney-Gesichtern.
All das ist im Großen und Ganzen ganz nett, aber nichts besonders und gleitet noch dazu häufig ins kitschige ab.

Insgesamt kann man sagen, dass die Rahmenhandlung etwas billig Konstruiert und lieblos umgesetzt wirkt.

1.Kurzfilm
Als erstes erwartet uns der Cartoon Donald on Ice von 1999. Dies erfährt der Zuschauer jedoch nicht, da er uns (genauso wie alle anderen Cartoons) ohne Vorspann präsentiert wird.

Wie der Titel bereits erahnen lässt, begleiten wir Donald Duck beim Schlittschuhlaufen mit seinen Enkeln.  Nach einiger Zeit bildet sich jedoch ein Riss in der Eisfläche, welchem Donald zu entkommen versucht. Jedoch verfolgt ihn besagter Riss weit über das Ufer des Sees hinaus, bis er schließlich in der Höhle eines „Schneemonsters“ landet.

Der Cartoon entstammt einer schwämme späterer Disney-Kurzfilme die in Ende der 1990er für die Fernsehreihe Neue Micky Maus Geschichten angefertig wurden, und denen der Charme früherer Kurzfilme, aus der Zeit zwischen den 1920er und -60er-Jahren, etwas abhandengekommen ist.
Dieser Vertreter jedoch, verfügt noch über genug Slapstick um jedenfalls die jüngsten Zuschauer zu unterhalten.

2.Kurzfilm
An zweiter Stelle wird uns Pluto’s Christmas Tree von 1952 gezeigt, welcher der erwähnten älteren Generation von Disney-Cartoons entstammt.

Wir begleiten Pluto dabei wie er Opfer der Scherze von Chip und Chap (a.k.a. A- und B-Hörnchen) wird, weil sich Micky ausgerechnet deren Zuhause als Weihnachtsbaum ausgesucht hat.
Die beiden Quälgeister halten den gelben Hund lange auf Trab, und schaffen es doch immer Micky Maus im Unklaren über ihre Präsenz zu lassen.

Selbstverständlich löst sich am Ende alles in Wohlgefallen auf, und es soll eine weihnachtliche Botschaft des friedlichen Zusammenseins vermittelt werden.
In der vorliegenden Fassung wirkt der Kurzfilm etwas überhetzt, was den Verdacht anregt, dass einige kürzende Schnitte vorgenommen wurden.

3.Kurzfilm
Während wir es sich bei den ersten beiden Kurzfilmen eher um generische Weihnachtsgeschichten handelte, haben wir es bei The Nutcracker von 1999 mit einem wahren Klassiker zu tun.
In dieser modernisierten Interpretation des berühmten Nussknacker-Ballett von Tschaikowsky, ist es vor allem Monty Python-Legende John Cleese welcher, in seiner Funktion als Erzähler, brilliert. Zunehmend verzweifelt versucht er die immer mehr aus den Fugen geratene Handlung im Rahmen zu halten.
Die liebevoll eingestreuten Abweichungen von der Originalvorlage (der Enterich Donald als Mäusekönig; Goofy als Fantasiecharakter, weil für ihn eigentlich gar keine Rolle vorgesehen war) kombiniert mit Cleeses sarkastischen, aber immer noch familienfreundlichen, Bemerkungen sorgen dafür, dass dies der erste Beitrag des Films ist welcher auch ältere Zuschauer unterhalten kann.
Einzig der Versuch die berühmte Musik durch Rock-Elemente zu verjüngen wirkt etwas halbgar.

In der deutschen Fassung wurde der Posten des Erzählers leider nicht so prominent besetzt, was den Unterhaltungswert des Cartoons aber nur minimal schmälert.

3.Kurzfilm
Zum Abschluss erwartet uns ein richtiges Highlight: der bekannte Kurzfilm Mickey's Christmas Carol von 1983 erzählt den Dickens-Klassiker in liebevoller, handgemachten Zeichentrick-Manie, wie diese sie nur Disney hinbekommt.
Die bekannte Geschichte vom herzlosen Geizkragen Ebenezer Scrooge (passenderweise mit Dagobert Duck besetzt, welcher in den USA Scrooge McDuck heißt) welcher durch die Besuche der Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht geläutert wird, ist bis in die letzte Nebenrolle mit bekannten Disney-Figuren besetzt und punktet mit einer seriösen Erzählung die dennoch nicht auf weihnachtlichen Wärme verzichtet. Auch die starke Anlehnung das Oeuvre von Carl Barks begünstigt den Charme dieses Kurzfilms aus!

Dadurch hebt sich dieser letzte Cartoon deutlich von den anderen Segmenten ab und vermittelt wohl das größte Weihnachts-Feeling.
Bedauerlich ist aus deutscher Sicht einzig die verwendete, neuere Synchronisation. Diese wird von vielen Fans als minderwertig im Vergleich zur Erstsynchronisation (welche bisher nur auf VHS veröffentlicht wurde) betrachtet. Letztere bestichtu.a. dadurch das in dieser Donald Duck auch im deutschen von einem seinerbeiden US-Standardsprecher gesprochen wird (je nach Quelle entweder Clarence Nash oder Tony Anselmo).
Trotzdem bleibt Christmas Carol der einzige Teil dieses Compilation-Film welcher den Titel „Weihnachts-Klassiker“ redlich verdient hat!


Zusätzlich zu den bereits angesprochenen Cartoons gibt es noch einen Clip der zeigt wie Micky und Pluto ihr Haus dekorieren, dieser ist aber kaum die Rede Wert und vermutlich auch nur aus einem älteren Cartoon übernommen.



DVD & Extras

Was Bild- und Tonqualität betrifft, liefert die DVD gute Standardwerte, aber nichts Herausragendes. Wie von einer aufgehübschten TV-Sendung zu erwarten, liefert die DVD ein klares 4:3-Bild mit Dolby Digital 5.1-Ton, wahlweise in Deutsch oder Englisch.
Daneben gibt es noch eine breitgefächerte Auswahl an Untertitelsprachen (siehe Tabelle unten).

Vom Bonusmaterial ist eigentlich nur das Special Das Geheimnis der Film-Geräusche erwähnenswert. Darin erklärt der sog. „Tonpionier“ Wayne Alwine einer Gruppe von Kindern wie in klassischen Disneyfilmen die Soundeffekte erzeugt wurden. Allerdings erfolgt diese Erklärung recht Kurz und nur sehr Oberflächlich. Sie sollte allerdings ausreichen um bei den jüngeren Zuschauern durchaus so etwas wie erstaunen auszulösen.
Ansonsten gibt es noch 2 Karaoke-Clips zu eher mäßigen, eingedeutschten Versionen der Weihnachtslieder Sleigh Ride („Die fröhliche Schlittenfahrt“) und Deck the Halls („Schmückt den Saal“), sowie die Trailer zu zwei weiteren Direct-to-DVD-Verbrechen jener Tage.
Im Großen und Ganzen also ein eher enttäuschendes Bonusmaterial.

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Fazit: Trotz des herausstechenden letzten Kurzfilms, wirkt die vorliegende DVD wie ein lieblos zusammen gehämmerter Versuch dem blauäugigen, meist noch sehr kindlichen, Publikum im Weihnachtsgeschäft ein paar Euro aus den Taschen zu ziehen.
Diese überlange Episode einer Fernsehserie die als Vehikel für das Recycling älterer Cartoons und Animationen dient, kann getrost als Relikt einer dunklen Episode betrachtet werden, welche die Disney-Studios zum Glück wieder hinter sich gelassen haben.

Zu empfehlen ist der Kauf dieser DVD wirklich nur den kleinsten Zeichentrick-Fans. Sammler die Interesse an den enthalten Cartoons (insbesondere Mickey's Christmas Carol) sollten besser auf die Disneys Kostbarkeiten-Kollektion oder ältere VHS-Veröffentlichungen zurück greifen.

Gesamtbewertung

Film:
++   (unterdurchschnittlich)
Bild- und Tonqualität:
+++ (durchschnittlich)
Bonusmaterial:
+      (enttäuschend)


Technische Daten & Informationen

Titel:
-          Mickys großes Weihnachtsfest - Eingeschneit im Haus der Maus (dt. Titel)
-          Mickys großes Weihnachtsfest - Eingeschneit in Mickys Clubhaus (dt. Alternativtitel)
-          Mickys Grösstes Weihnachtsfest (dt.Alternativtitel)
-          Mickey's Magical Christmas: Snowed in at the House of Mouse (Originaltitel)
Spieldauer
-          59 Minuten
Erscheinungsjahr:
-          2001 (als Compilation)
Altersfreigabe:
-          FSK 0
Bildformat:
-          4:3 (1:1,33)
Sprachen:
-          Englisch (Dolby Digital 5.1)
-          Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel:
-          Deutsch
-          Englisch
-          Französisch
-          Spanisch
-          Italienisch
Extras:
-          Das Geheimnis der Film-Geräusche (OmU)
Publisher:
Links:
-          IMDb
-          ODFb
-          Deutsche Synchronkartei
-          Disney Synchronarchiv
Kaufmöglichkeit:
-          Amazon (Partnerlink)

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